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03.11.2009
Neuer Leitfaden „Pflegetagebuch“: ­Wenn der MDK zweimal klingelt!

Wenn Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen, ist eines garantiert: Der Besuch des medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK). Dieser überprüft vor Ort, ob die Ansprüche gerechtfertigt sind. Wie jede Prüfinstanz einer Versicherung geht es dabei nicht darum, den Versicherten eine möglichst hohe Anspruchsberechtigung zuzusprechen, sondern unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Entsprechend gründlich sollte dieser Besuch vorbereitet werden.

Der Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung entsteht nicht automatisch, vielmehr müssen Leistungen beantragt werden. Antragsberechtigt ist die versicherte Person oder eine andere, von ihr bevollmächtigte Person bzw. der oder die gesetzliche(n) Vertreter oder Betreuer und bei Minderjährigen die Eltern.

Der Anspruch entsteht erst nach Prüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Das durch den MDK erstellte Pflegegutachten bildet die Basis für die Einstufung der Pflegebedürftigkeit. Neben dem MDK stellen die Knappschaft mit dem Spezialmedizinischen Dienst (SMD) und die private Pflegeversicherung mit der Medicproof GmbH weitere Prüfungsinstanzen für ihren jeweiligen Bereich.

 

Ansprüche werden generell erst einmal infrage gestellt


Ob MDK, SMD oder Medicproof GmbH, eine Gemeinsamkeit verbindet die drei Institutionen: Sie wurden nicht in erster Linie dafür geschaffen berechtigte Ansprüche zu bewilligen, sondern unberechtigte zu verhindern. In Zeiten, in denen der gesetzlichen Pflegeversicherung der finanzielle Kollaps prognostiziert wird, gehört der Zielkonflikt zwischen Antragssteller und Antragprüfer zum System.

Wenn der MDK also bei Ihnen vorbeikommt, so ist dies mit Sicherheit kein Freundschaftsbesuch. Sie dürfen deshalb von den Mitgliedern der MDK weder Verständnis, noch Mitgefühl erwarten, denn darum geht es in diesem Falle nicht. Es handelt sich bei der Prüfung ihrer Ansprüche um einen rein technischen Prozess – vergleichbar mit einem juristischen Verfahren – bei welchen die Emotionen außen vor gelassen werden müssen.

Was zählt sind Fakten. Natürlich werden die Betroffenen auch gehört. Aber die Anhörung der Hauptbetroffenen ist gemäß den Erfahrungen unserer Leser(innen) in der Regel eher eine Erschwernis auf dem Weg zur Pflegerente. Nicht selten stellen die betagten Menschen nämlich ihre Situation bedeutend besser dar, als sie in Wirklichkeit ist. Dabei spielen einerseits falscher Stolz, Schamgefühle und eine gänzliche Fehleinschätzung der eigenen Situation eine wichtige Rolle. Tatsache ist aber auch, dass die Prüfer diese Antworten durch entsprechende Fragestellungen gezielt provozieren.



Harte Fakten gegen weiche Fakten stellen

 

Als Angehörige ist es deshalb wichtig, die betreffenden Senioren auf dieses Gespräch vorzubereiten und Ihnen einerseits die eigene Lage (d.h. jene der Pflegenden) darzulegen und die Scham vor der eigenen Altersschwäche zu nehmen, sodass die Aussagen im Interview so weit als möglich der Realität entsprechen. Darüber hinaus müssen Sie den weichen Informationen aus dem Interview harte, belegbare Fakten entgegen stellen. Je besser diese Fakten dokumentiert sind, desto größer ist Ihre Chance den Antrag in der von Ihnen gewünschten Form durchzubringen.

Neben ärztlichen Bescheinigungen hat es sich als sehr nützlich erwiesen, die Hilfebedürftigkeit eines alten Menschen mithilfe eines Pflegetagebuchs über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren. Genau genommen ist es das einzige zielführende Instrument, welches Sie haben. Schließlich geht es bei dem Gutachten nicht darum das individuelle Leid und die persönliche Belastung zu erfassen, sondern heraus zu finden, ob der Zeitaufwand für die Pflege gewisse Mindestschwellen überschreitet. Das gelingt am besten mit einem gut geführten Arbeitsjournal, in welchem alle, aber wirklich alle mit der Pflege zusammenhängenden Arbeiten erfasst sind. Mit einem Pflegetagebuch ermöglichen Sie es den Gutachtern also, das individuelle Schicksal zu quantifizieren, messbar und vergleichbar zu machen und damit zu verwerten.

Ab sofort finden Sie auf unseren Seiten "tipps" einen Leitfaden, wie Sie sich auf den Besuch des MDK optimal vorbereiten können. Ebenfalls erhältlich ist eine Vorlage für ein Pflegetagebuch. Wenn Sie Fragen oder Erfahrungsberichte zu den Gutachten des MDK haben, schreiben Sie uns unter redaktion(at)altersportal.de.

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